Anstieg von Wohnungseinbrüchen
Der Kriminologe Christian Pfeiffer aus Hannover meint, dass die Wohnungseinbrüche in Bremen unterschätzt werden. Die Polizei müsse hier andere Prioritäten setzen. Er hat die Aufklärungsquote von Bundesländern und Städten verglichen.
Sein Fazit: Es gibt in Bremen viel mehr Einbrüche und nur eine sehr geringe Aufklärungsquote. Darin sieht Pfeiffer einen direkten Zusammenhang: Wer gelernt hat, ihm passiert nichts, wenn er in eine Wohnung einbricht, neigt dazu, es immer wieder zu tun.
Christian Pfeiffer
Pro 100.000 Bürger im Bundesland Bremen erreichte die Zahl der Wohnungseinbrüche im Jahr 1995 mit 566 den höchsten Stand. Zwischenzeitlich war sie bis 2005 auf den Tiefstand von 274 gesunken. Dann jedoch ist sie bis 2009 auf 514 gestiegen. 2010 waren es 435. Der beschrieben Rückgang des Wohnungseinbruchs zwischen 1995 und 2005 ist kein Bremer Sonderphänomen. Es hat ihn bundesweit in entsprechendem Ausmaß gegeben. Er wird zum einen darauf zurück geführt, dass die Haus- und Wohnungseigentümer die passive Sicherheit erhöht haben durch verbesserten Schutz der Fenster und Eingangstüren. Ferner hat möglicherweise auch eine Rolle gespielt, dass sich Deutschland nach der Zuwanderungswelle von Aussiedlern, Flüchtlingen und Asylbewerbern im sozialen Bereich zunehmend stabilisieren konnte. Umso überraschender ist deshalb der Anstieg, der sich seit 2005 abzeichnet. Bundesweit fällt er allerdings mit einer Zunahme von 133 Fällen pro 100.000 Einwohner auf 148 vergleichsweise moderat aus. Bremen fällt hier völlig aus dem Rahmen. Die Vermutung drängt sich auf, dass es sich in Ihrer Stadt um sehr spezifische Einbruchsbanden handeln könnte, die diese Einnahmequelle zunehmend nutzen. Angesichts einer Aufklärungsquote von nur zehn Prozent (für die Stadt Bremen) haben 90 Prozent der Täter Erfolgserlebnisse und setzen ihre Aktivitäten natürlich munter fort, solange sie nicht erwischt werden.
Bremen ist hier wirklich ein Sonderfall. In Großstädten gibt es hier teilweise auch völlig gegenläufige Entwicklungen. So ist die Zahl der Einbrüche in München pro 1.000 der dortigen Einwohner seit 2005 von 99 auf 60 zurück gegangen. In Hannover beobachten wir zwar auch einen leichten Anstieg von 240 auf 265 (oder in Berlin von 179 auf 253). Aber nirgends hat es einen derart ausgeprägten Zuwachs gegeben wie bei Ihnen.
Am besten vergleichbar scheint mir Hannover zu sein. Hier ist die Aufklärungsquote seit 2006 von 15,5 auf 23 Prozent im Jahr 2010 angestiegen. Damit liegt sie zwar auch noch weit unterhalb dessen, was bei konsequentem Ausschöpfen der polizeilichen Ermittlungsmöglichkeiten möglich wäre. Die Tatsache, dass das Risiko des Erwischtwerdens in unserer Stadt aber 2,3 Mal höher liegt als in Bremen, scheint sich positiv auszuwirken. Auch das Bremen umgebende Niedersachsen hat in den letzten zehn Jahren durchweg eine Aufklärungsquote um 25 Prozent erreicht. Deutlich schlechter als Bremen steht nur noch Hamburg in der Statistik. Dort ist die Aufklärungsquote auf 6,8 Prozent gesunken, lag allerdings über die letzten zehn Jahre ohnehin bei maximal nur 10,3 Prozent. Mit zuletzt 425 Fällen pro 100.000 Bürger steht Hamburg ähnlich schlecht da wie Bremen. Der entscheidende Unterschied ist allerdings der, dass diese so genannte Häufigkeitszahl in den neunziger Jahren teilweise noch mehr als doppelt so hoch lag.
Generell ist in Deutschland zu beklagen, dass die Polizei ihre technischen Aufklärungsmöglichkeiten beim Wohnungseinbruch nicht ausschöpft. Offensichtlich fehlt ihr hierfür die Personalkapazität. Man muss allerdings kritisch fragen, ob hier die polizeilichen Arbeitsschwerpunkte richtig gesetzt werden. Beim Wohnungseinbruch geht es schließlich um ein Delikt, das die betroffenen Bürger massiv belastet. Da man angesichts der allgemeinen Haushaltssituation kaum erwarten kann, dass die Polizei wegen der dargestellten Probleme zusätzliche Planstellen bekommen wird, kann die Lösung nur darin liegen, durch interne Umschichtungen mehr Personal für die Aufklärung des Wohnungseinbruchs zur Verfügung zu stellen und hierbei dann die Aufklärungstechnik optimal einzusetzen.
Bremen und Bremerhaven brauchen eine gezielte polizeiliche Offensive gegen den Wohnungseinbruch, die man damit koppeln sollte, die Bürgerinnen und Bürger vermehrt darüber aufzuklären, was sie dazu beitragen können, ihr Einbruchsrisiko zu verringern.
Die Strafhärte spielt bei der Abschreckung keine Rolle. Bedeutsam ist vor allem, ob sich aus der Sicht potenzieller Täter das Risiko erhöht hat, erwischt zu werden. Daten dazu, ob sich Bremen hinsichtlich der Strafhärte von anderen Gerichtsbezirken unterscheidet, liegen uns aktuell nicht vor.
Bei der Aufklärungsquote geht es nicht nur um die finanzielle Ausstattung. Sehr bedeutsam ist, wie gut die Polizeibeamten darin ausgebildet sind, die heute zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten optimal auszuschöpfen. Ich kann nicht beurteilen, ob es hier in Bremen Ausbildungsdefizite gibt. Die Polizei könnte sich allerdings darum bemühen, beispielsweise durch einen Besuch in Hannover selber aufzuklären, ob die mehr als doppelt so hohe Aufklärungsquote in der Nachbarstadt auch eine Folge einer besseren Aus- und Fortbildung der zuständigen Polizeibeamten ist.
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