22. August 2011, 7:35 Uhr
Serie im Nordwestradio
Krawalle in England, Proteste in Griechenland und Spanien oder Volksaufstände in der arabischen Welt - immer sind es vor allem junge Menschen, die auf die Straße gehen. Die Motive, die Lage in dem jeweiligen Land und die Form des Aufbegehrens und der Grad der Gewalt unterscheiden sich, doch immer ist eine tiefe Unzufriedenheit zu spüren.
Andererseits jubelten über eine Million Jugendliche zum Abschluss des Weltjugendtages in Madrid dem Papst zu. Rund 16.000 von ihnen kamen aus Deutschland. Es war offensichtlich eine andere Jugend, die sich da gezeigt hat.
In unserer Serie: " Jugend ohne Zukunft?" beleuchten wir die Ursachen der Jugendproteste, zeigen Parallelen auf und sprechen mit Experten.
Eine offenbar werteorientierte Jugend in Spanien, die sich dem Papst zuwendet oder sogar unterordnet – und eine radikale Protest-Jugend in England. Unterschiedlicher können gesellschaftliche Strömungen kaum sein. Was bringt Jugendliche, die im Grunde alle vor dem Problem stehen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, dazu, der einen oder der anderen Strömung zu folgen? Wie können Jugendliche sich politisch artikulieren? Fragen an Klaus Hurrelmann, Soziologe und Autor der Shell-Jugendstudie.
Gespräch mit Prof. Klaus Hurrelmann , [4:31]
In Spanien hat fast jeder zweite Jugendliche keine Arbeit, in Frankreich und Großbritannien ist jeder fünfte junge Mensch ohne Job. Deutschland steht im EU-Vergleich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mit einer Quote von 9,1 Prozent noch ziemlich gut da. Besser sieht es nur in den Niederlanden und in Österreich aus.
9,1 Prozent der Deutschen Jugendlichen sind ohne Job
Trotzdem sind in Deutschland immer noch Hunderttausende Jugendliche ohne Job und ohne Perspektive. Was sind die Ursachen für ihre Situation? Und sind Krawalle perspektivloser junger Leute wie in London auch hier in Deutschland denkbar? Nordwestradio-Reporter Sven Weingärtner hat mit arbeitslosen Jugendlichen über ihre Situation gesprochen.
Was sagen arbeitslose Jugendliche?, [3:22]
Auch der Politologe Christoph Butterwegge sieht Defizite in der Jugend- und Sozialarbeit in europäischen Ländern. Die Wirtschaftskrise vergrößere die Kluft zwischen Arm und Reich. Viele Jugendliche hätten das Gefühl, nicht mehr Teil der Gesellschaft zu sein. Nordwestradio-Moderator Hans Heinrich Obuch sprach mit Christoph Butterwegge. Er ist Politikwissenschaftler am Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften der Universität Köln.
Gespräch mit Christoph Butterwegge, [5:28]
"Den Jungen fehlt eine Lobby", sagt Wolfgang Gründinger. Die meisten Schüler, Studenten und Berufsanfänger seien damit beschäftigt sich einen Platz in der Gesellschaft zu suchen. Zeit für Protest bliebe da kaum. Die Jugend brauche deshalb neue Fürsprecher, fordert der Politologe und Autor.
Zu dem Thema hat er ein Buch geschrieben: "Aufstand der Jungen - Wie wir den Krieg der Generationen vermeiden können", heißt es. Darin plädiert er für einen neuen Generationenvertrag, für Solidarität und Dialog der Generationen. Gründinger erklärt Nordwestradio-Moderator Hans-Heinrich Obuch, was er damit meint.
Gespräch mit Wolfgang Gründinger, [4:57]
Mit welchen Themen beschäftigen sich Jugendliche in dieser Zeit? Bildung, Ausbildung, Karriere oder auch Familie? Was ist dran an der These, dass Jugendliche sich immer weniger für Poltik interessieren, weil ihre Stimmen und Anliegen nicht ernst genommen werden? Und wie können die Politiker etwas daran ändern?
Lasse Becker ist Vorsitzender der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale. Er appelliert an junge Menschen, sich in der Politik zu engagieren und eigene Ideen einzubringen. Nordwestradio-Moderatorin Nicole Nelhiebel fragte nach den Themen, die Jugendliche wirklich interessieren.
Gespräch mit Lasse Becker, [4:18]
In vielen Ländern Europas begehren besonders junge Menschen seit Monaten in ganz unterschiedlichen Formen auf. Am Rande des katholischen Weltjugendtages haben jetzt mehrere tausend Menschen gegen den Papstbesuch protestiert – darunter viele junge Leute.
Der Protest richte sich gegen die staatliche Co-Finanzierung des Weltjugendtags und des Papst-Besuchs, erklärten die Veranstalter. 120 Madrider Pfarrer hatten bereits vor mehreren Tagen die Finanzierung des Weltjugendtags durch Großkonzerne kritisiert, die sie für die Spekulationswirtschaft der vergangenen Jahre verantwortlich machen. Die Sponsoren können ihre Spenden von der Steuer absetzen. Die von der katholischen Kirche mit 50 Millionen Euro angegebenen Kosten des Weltjugendtags sollten für die Bekämpfung des Hungers in Afrika verwendet werden.
Proteste und Demonstrationen gab es zuletzt auch in Griechenland, in England gab es Krawalle und Straßenschlachten. Hier mischten sich soziale Spannungen und kriminelle Energie. In Berliin gingen in den vergangenen Tagen immer wieder Autos in Flammen auf. Hinweise auf politische Motive gibt es laut Polizei bislang nicht. Auch wer dahinter steckt, ist unklar.
Es gibt allerdings Spekualtionen, wonach linke Radikale für die Brandanschläge verantwortlich sein könnten. Der SPD-Politiker Wiefelspütz sprach gar von einer Vorstufe des Terrorismus. Nordwestradio-Moderatorin Nicole Nelhiebel sprach mit Simon Teune, Soziologe am Wissenschaftszentrum Berlin.
Info: Nordwestradio Journal
![Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen] Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_journal/journal104_v-mediateaser.jpg)
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