Montag, 22. Januar 2018
Ein starker Wintersturm in Südkalifornien sorgte für Überschwemmungen und Schlammlawinen - wie hier in Montecito, Santa Barbara. [Quelle: Imago, Foto: Ventura County Sheriff] Lupe

In Südkalifornien starben mehrere Menschen durch eine Schlammlawine.

Klimaforscher: Klimaziel aufgeben ist "verheerend"

Fast 50 Grad in Australien, Schneemassen in den Alpen, Schlammlawinen und Sturm in Kalifornien, Wasserknappheit in Südafrika und Schnee in der Sahara – wenn man sich derzeit das Wetter auf der Welt anguckt, wird einem sprichwörtlich heiß und kalt! Ist das schon der befürchtete Klimawandel oder reiner Zufall? Mojib Latif ist einer der bekanntesten Klimaforscher in Deutschland und hat sich unseren Fragen gestellt!


Dürre, Kälte, Hitzewelle, Sturm und Schnee in der Wüste – und das alles gleichzeitig, ist das der Klimawandel oder Zufall?


Klimaforscher Mojib Latif [Quelle: Imago, J. Krick]

Klimaziel aufgeben? "Ein verheerendes Signal", findet Mojib Latif.

Nein, das ist natürlich alles Zufall, dass das nun gleichzeitig passiert. Wenn man auf den Klimawandel hinaus möchte, dann reicht es nicht, sich eine solche Momentaufnahme oder sogar ein ganzes Jahr anzusehen. Man muss sich viele Jahrzehnte ansehen, und wenn man das tut, beispielsweise in Deutschland, dann sind die Zeichen des Klimawandels kaum übersehbar. Es ist auch bei uns deutlich wärmer geworden, sogar mehr als im globalen Durchschnitt. Wir sehen gerade jetzt wieder einen sehr milden Winter, die nehmen seit Jahrzehnten zu. Und wir sehen eben seit Jahrzehnten auch, dass die Regenfälle im Winter zunehmen und immer wieder zu Überschwemmungen führen. Das sind klare Indikatoren für den Klimawandel.


Ist es überraschend, dass so viele extreme Wetterphänomene auf einmal passieren, oder ist das erwartbar und vielleicht sogar etwas, woran wir uns gewöhnen müssen?


Wir werden uns in den kommenden Jahren und Jahrzehnten in der Tat daran gewöhnen müssen, dass solche Wetterextreme weltweit zunehmen werden. Trotzdem dürfen wir auch nicht vergessen: das Wetter ist sehr chaotisch, es kann also sehr viele Überraschungen produzieren, ohne dass es dafür einen Grund gibt. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Chaos-Forschung aus der Wetter-Forschung entwickelt wurde.


Ausgerechnet jetzt wird bekannt, dass die Politiker, die gerade in Berlin zusammensitzen und vielleicht bald die neue Regierung bilden, sich vom deutschen Klimaziel verabschieden wollen. Was sagen Sie dazu?


Das ist ein verheerendes Signal, wenn es so kommen sollte. Noch ist zwar nichts beschlossen, aber ich gehe mal davon aus, dass es so kommen wird. Deutschland hat sich immer als großer Vorreiter auf den Weltklimakonferenzen präsentiert, zuletzt sogar hier in Bonn. Was sollen denn die anderen Länder jetzt sagen, wenn Deutschland auf einmal sagt "April, April – was wir freiwillig machen wollten, wird jetzt nicht mehr stattfinden". Und das in einer Zeit, in der gerade auch in Amerika die Skepsis wächst, wo ein Donald Trump aus dem Klimavertrag von Paris aussteigen will? Damit befördert Deutschland eine Tendenz, die wir eigentlich nicht wollen. Wir wollen sogar eher das Gegenteil erzeugen: Dass alle anderen Länder sagen, jetzt erst recht, jetzt zeigen wir es den Amerikanern.






 


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